Interview: Matti Cordewinus | Grenzgebiet

Interview: Matti Cordewinus | Grenzgebiet

Grenzgebiet.
Eine Idee, ein Projekt, ein Trailer, die es uns angetan haben.
Irgendwie sind wir darauf gestoßen. Die Netzwerke sorgen schon dafür.
Und dann? Dann gab es nur PLAY; und eine Kinnlade, die ihren Weg gen Süden suchte.
Wir waren sofort begeistert. Ja, die Vorhersage der Zukunft ist ein schweres Thema ABER, Grenzgebiet wird DER Film des kommenden Jahres. Wir schwören!
Damit der Streifen sich auf der Leinwand tummeln kann, bedarf es noch etwas Kohle. Die erste Hürde von 7.800 EUR ist bereits genommen. Schön zu sehen, dass die 'Szene', Crews und Freunde geschlossen und hochmotiviert den Streifen mit ans Tageslicht ziehen. Die Liebe zur Sache ist halt immer noch ein schweres Pfund. Auch für uns. Darum immer rein mit den Talern und Kröten. So schön kommen wir eh nie wieder zusammen aka wohin mit dem Geld, wenn nicht in dieses Projekt?

Eine abschließende Anekdote: Auf die Frage, warum sie dieses Projekt unterstützt, antwortet eine unserer Freundinnen mit einem langen Monolog. Es ist Montag Abend. Der Fernseher läuft und die Müdigkeit dominiert den Raum. Aber der Monolog ist nicht nur eine kurze Antwort. Nein, es ist ein Monolog, in dem sie umfassend ausführt, was ihr dieser Film bedeutet und warum auch sie gern ihre Euros dort unterbringt. Viele Aspekte kommen zur Sprache: Realness, Hip Hop, die Jugend, Graffiti usw. Aber, sie macht es auch für ihre Tochter. Sie ist 15 Monate alt...

Und weil es einfach nicht anders geht, geht der Lauf der guten Gefühle weiter. Denn wir haben ihn getroffen. Matti. Ein Herzenguter. Das merkt man gleich. Und, er ist der Regisseur und Produzent von Grenzgebiet.


Lets start talking:

YO! Matti,

geiles Ding, dass wir auf diesem Weg zueinander finden und du dir die Zeit nimmst, um uns ein paar Fragen zu beantworten, die uns schon länger unter den Nägeln brennen.

… vielleicht ein paar Worte zum Einstieg; und zum Kennenlernen: Wer bist du?


Hey Blackstreets-Magazin. Erst einmal vielen Dank für euer Engagement. Mein Name ist Matti Cordewinus. Ich bin ein freischaffender Filmemacher und bin in Ost-Berlin geboren und aufgewachsen.

Warum machst du diesen Film? Was treibt dich an und um?


Ich wollte einen Film machen, der die Personen unter den Masken in den Videos versucht greifbar zu machen. Sie in ihrem Umgang miteinander zeigen und ihren Humor und Geschmack festhalten.

Der Film ist für mich ein Experiment. Ich möchte herausfinden, wann und warum Außenstehende einen Zugang zu Graffiti finden oder eben auch nicht.


Wie ist die Idee zum Film entstanden? Seit wann geistert der Film und die Idee dazu in deinem Kopf umher?


Die Idee für den Film wurde durch den Tod von Kmer im Jahre 2008 angestoßen. Graffiti war zu dem Zeitpunkt größter Bestandteil meines Lebens. Im Jahr zuvor hatte ich begonnen mich für das Filmemachen zu begeistern, ohne jemals daran zu glauben, dass meine zweite große Liebe Film werden könnte. Ich war nach Mirans Tod traurig darüber, dass es keinen Film gibt und auch niemals geben wird, der die Personen hinter dem Writing zu fassen kriegt und es somit auch niemals einen echten Einblick geben wird. Da kann es noch so viele Graffitivideos und Dokus geben, wo Vermummte aus dem Nähkästchen plaudern. Die Distanz wird auf ewig vorhanden sein und man selbst und alle meine Freunde werden für Außenstehende unverstanden bleiben.


Wir feiern deinen Trailer. Übermäßig. Vor allem weil es einen ganz anderen Blick auf Graffiti stark macht; fernab der immer gleichen Ästhetik. Siehst du das ebenso? Also, dass sich dein Film von der sonst üblichen Perspektive abhebt? Stichwort: Gespräche, Momente, unverpixelte Protagonisten und – zumindest im Trailer – kein klassisches Zuggeballere. Warum hast du dich dafür entschieden?


Vielen Dank für euer Feedback. Ich hatte die Vision eines dokumentarisch erzählenden Graffitispielfilmes, der mit authentischen Personen und Situationen versucht ein paar Facetten dieser Subkultur zu beleuchten. Dieses Konzept klammerte zwangsläufig die eine oder andere klassische Ästhetik aus. Zumal ich von heutigen Graffitivideos nur noch gelangweilt bin. Die Romantik wie sie einst in Videos wie Hard Knocks 4 vorhanden war, ist längst Berliner Graffitigeschichte und nicht reproduzierbar.


Graffiti und Anonymität laufen eigentlich schon immer Hand in Hand. Aus nachvollziehbaren Gründen (Stress, Verfolgung, Knast & Co.). Ist es eine bewusste Entscheidung dies nun zu ignorieren? Und, habt ihr vorab darüber gesprochen, ob die Nummer vermummt oder nicht über den Tisch bzw. durch den Ostblock geht? Habt ihr Sorge, dass die SOKO bei euch anklopft?


Graffiti und Anonymität laufen auch bei meinem Film Hand in Hand. Nur ist das Prinzip in meinem Vorhaben umgekehrt. Alle wussten von Anfang an Bescheid, dass ich versuche Gesichter und keine Graffitis einzufangen.

Ich habe auch keine Sorge, dass bei mir die Soko anklopft. Die Soko wird sich für meinen Film nicht interessieren. Zu wenig Handfestes. Außerdem wird so ein Filmvorhaben vor Gericht immer als so etwas wie Kunst angesehen. Nur weil etwas illegal aussieht, heißt es noch lange nicht, dass es auch zwangsläufig illegal ist bzw. so hergestellt wurde. Vor allem nicht in einem Film der mit dokumentarischen und fiktiven Elementen spielt und bewusst bei Fragen wie: „Echt oder nicht?“ verwirren möchte. Außerdem werde ich während des ganzen Projektes von einem Anwalt beraten.


Wie dicke bist du mit den drei Jungs, die man an dieser Stelle als Hauptdarsteller bezeichnen könnte? Musstest du sie erst von der Idee überzeugen oder war das eine klare Sache, dass sie mitziehen?


Ich musste bei meinen Protagonisten keinerlei Überredungsarbeit leisten. Grund dafür war sicher, dass wir zum Teil schon viele Jahre befreundet sind.


Vier Wochen Roadtrip: Der beste und der schlechteste Momente?


In Belgrad sind wir auf einer Autobahnzufahrt knapp einem Autounfall entgangen, der hätte tödlich für uns ausgehen können. Das war mein persönlicher Tiefpunkt und Höhepunkt zugleich.


Wie geht es weiter? Und, wann können wir deinen Film sehen?


Der Film wird im Frühjahr fertig sein. Auf den Festivals ist er im Idealfall schon im Sommer. Im Kino dann etwa ein Jahr später. Wir müssen alle noch ein wenig Geduld haben, vor allem da ich in wenigen Wochen zum ersten Mal Vater werde.


Wie kann man dein Projekt unterstützen?


Mein Projekt kann man über eine Spende auf https://www.startnext.com/grenzgebiet unterstützen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass nur schon das Teilen und Weitersagen einen immensen Anstieg der Fundingsumme verursachen kann. Ich arbeite zum ersten Mal an einem Film in dieser Größenordnung und bin oft unsicher bei Vertriebs und Sponsoringfragen. Wer einen heißen Tipp für mich hat, wird zu jeder Zeit von mir angehört.


Die letzten Momente und Zeilen gehören Dir! Was sollte / könnte hier noch Platz finden?


Mein Film ist nur ein Ausschnitt und erhebt auf keinen Fall den Anspruch etwas Definitives über den klassischen Graffitisprüher oder das Medium Graffiti auszusagen. Den klassischen Graffitisprüher gibt es nicht. Sie sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst.



Matti, einfach nur großartig. Danke. Für deine Zeit. Und deinen Film!
Volle Pulle für die letzten Meter und alles Gute & Beste für die Geburt deines Kindes!
HIGH5,

Blackstreets Crew

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